Kein Vergeben! Kein Vergessen! In Gedenken an das Pogrom 1934 in Gunzenhausen

Das Pogrom 1934 in Gunzenhausen
Schon lange vor der Machtergreifung der Nazis war Gunzenhausen, wie weite Teile Mittelfrankens, politisch tief braun geprägt. Antisemitische Ressentiments waren in der Gesellschaft weit verbreitet, sodass die menschenverachtende Hetzpropaganda auf offene Ohren und willige Vollstrecker traf. Bei der ersten Veranstaltung der NSDAP 1923 in Gunzenhausen waren etwa 1000 Menschen anwesend, was damals ein fünftel der Stadtbevölkerung darstellte. Bereits 1928, fünf Jahre vor der Machtergreifung, setzte der antisemitische Terror mit der Zerschlagung der Synagogenfenster ein. Die folgenden Jahre waren von antisemitischer Hetzpropaganda und Übergriffen auf Jüd_innen geprägt.

Am 25. März 1934 beteiligten sich etwa 1000 Menschen, unter Führung von SA-Einheiten, an einem Pogrom an der jüdischen Stadtbevölkerung. Jüd_innen wurden gewaltsam von dem durch die Straßen ziehenden antisemitischen Pöbel aus ihren Häusern gezogen und unter Schlägen und Tritten ins Gefängnis gebracht. Im Zuge dieser Geschehnisse kamen Jakob Rosenfelder und Max Rosenau ums Leben. Erst am späten Abend fand das widerliche Treiben sein Ende.

Am 15. Juli 1934 erschoss Kurt Bär aus antisemitischen Beweggründen und mit Unterstützung seiner Mitstreiter Josef Kaiser und Hans Hermann Simon Strauß und verletzte dessen Sohn Julius Strauß schwer. Simon Strauß hatte, auf Grund des Pogroms Ende März 1934, einen Strafantrag gegen Kurt Bär gestellt. Die juristische Aufarbeitung des Pogroms und der anderen Naziverbrechen hatte sowohl während des Nationalsozialismus als auch nach dessen militärischer Zerschlagung für Täter_innen nur geringfügige Folgen. Wegen den Schüssen auf Simon und Julius Strauß wurden Josef Kaiser zu 4 Jahren und Kurt Bär zu lebenslanger Haft verurteilt. Hans Hermann wurde freigesprochen. Beide wurden ein paar Jahre später wieder begnadigt und auch nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde gegen noch lebende Täter_innen kaum vorgegangen.

Nazistrukturen heute
Auch heute gibt es in Gunzenhausen und im umliegenden Landkreis noch Neonazi Strukturen. Neben einzelnen NPD Aktivist_innen existieren freie Kameradschaftsstrukturen, wie die Freien Nationalisten Weißenburg, die den aktivsten Teil der Naziszene im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen darstellen. Neonazis gehen im Landkreis offensiv gegen Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen und politische Gegner_innen vor. So wie am 28. November 2011, als eine Gruppe Neonazis einige Menschen auf dem Hof des Weißenburger Juz, die dort nach einer antifaschistischen Kundgebung verblieben waren mit Böllern angriff und dabei mehrere von ihnen verletzten. Die sogenannten Freien Nationalisten Weißenburg gehören dem Kameradschaftsdachverband Freies Netz Süd an, welcher sich durch die Mitorganisation des sogenannten Frankentages, der von 2008 bis 2012 statt fand, auf eine Veranstaltung mit selbigem Namen während des Nationalsozialismus, die damals auf dem Hesselberg abgehalten wurde, bezog.
Ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr sich Neonazis am Nationalsozialismus orientieren ist das sogenannte „Nationale Totengedenken“, welches von den Freien Nationalisten Weißenburg schon mehrfach in Dornhausen am Grab von Hans Ulrich Rudel durchgeführt wurde.
Hans Ulrich Rudel war ein Luftwaffenoffizier, der auch nach dem Ende des dritten Reichs weiter in nationalsozialistischen Zusammenhängen engagiert war. Er wird von den Neonazis als Held stilisiert.

Stadtbild im Landkreis
Leider tragen auch im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Straßen und Plätze immer noch Namen von Menschen, die sich im Nationalsozialismus „verdient“ gemacht haben oder als Steigbügel für die Nazis fungierten. So z.B. die „Rudolf-Nebel-Straße“ in Weißenburg oder auch der „Hindenburgplatz“ in Gunzenhausen. Ob nun ein Raketenwissenschaftler, der mit den Nazis an einer „Wunderwaffe“ arbeitete oder jemand, der seinen Anteil an der Machtergreifung der Nazis geleistet hat, wir sind der Meinung, dass das keine positiven Bezugspunkte sind, die eine als Ehre verstandene Geste wie Namensgeber_in eines öffentlichen Ortes zu sein verdient hätten.
Eine Umbenennung ist schon seit Jahrzehnten überfällig, genauso wie die Auflösung des Grabes von Hans Ulrich Rudel, um den Held_innenkult um Altnazis einzudämmen. Von einer umfassenden Aufarbeitung der Geschichte ganz zu Schweigen.

„Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass ich weder glaube, sie begründen zu müssen, noch zu sollen. Ich kann nicht verstehen, dass man mit ihr bis heute so wenig sich abgegeben hat. Sie zu begründen hätte etwas Ungeheuerliches angesichts des Ungeheuerlichen, das sich zutrug.“ (Theodor W. Adorno)

KEIN VERGEBEN KEIN VERGESSEN!
NIE WIEDER DEUTSCHLAND!

Kommt zur Kundgebung am 22.3.2014 ab 10:30 vor der Sparkasse auf dem Marktplatz in Gunzenhausen.