Vortragsveranstaltung am 4.5 abgesagt

Die Stadt wie auch die Jugendarbeit in Gunzenhausen leisten ganze Arbeit um sowohl die braune Vergangenheit der Altmühlstadt als auch aktuelle Naziumtriebe nicht oder nur mit so wenig öffentlicher Aufmerksamkeit wie möglich zu thematisieren. So wie das Gedenken an das blutige Pogrom am 25. März 1934 in Gunzenhausen wie ein Pflichttermin abgehandelt wurde. Vorschläge von Menschen, die wollten, dass dieses Gedenken öffentlichen Raum einnimmt und die Thematik so viele wie nur möglich erreicht wurden mit vorgeschobenen Kostenargumenten Mundtod gemacht. Auch das Kommunale Jugendzentrum Gunzenhausen zieht da natürlich mit und cancelte einen Vortrag mit dem Thema „Rechte Strukturen in Bayern“ mit der Begründung, dass politische Gruppen diese bewerben würden. In der Jugendeinrichtung dürften keinen politischen Veranstaltungen abgehalten werden auch wenn für uns klar ist: Unpolitisch gibt es nicht! Stellt sich uns schon die Frage wie man sich „Unpolitisch“ mit dem Thema Rechte Strukturen befassen will.

Kundgebung in Gedenken an das Pogrom 1934 in Gunzenhausen

Am Samstag den 22.03.2014 ab 10:30 Uhr versammelten sich 10 Antifaschist_innen vor der Sparkasse auf dem Gunzenhausener Marktplatz, um anlässlich des 80. Jahrestags des reichsweit ersten Pogroms gegen den jüdischen Teil der Stadtbevölkerung, zu gedenken.

Im Laufe der Kundgebung wurden Flyer verteilt, auf welchen der Ablauf des Pogroms am 25. März 1934 erläutert und auf aktuelle Neonazi Umtriebe im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen eingegangen wird. In den Redebeiträgen wurde das Geschehen vor 80 Jahren thematisiert und verdeutlicht, warum es auch heute noch wichtig ist gegen Nazis, Antisemitismus, Nationalismus und andere gesellschaftliche Ausgrenzungsmechanismen zu demonstrieren. Die Reaktionen der Gunzenhausener vielen sehr unterschiedlich aus. Auch wenn viele sich in kurzen Gesprächen sehr dafür aussprachen, dass dieser Teil der Stadtgeschichte sehr wichtig sei zu thematisieren, fielen bei einzelnen alt bekannte Phrasen, wie z.B. „Das ist doch schon so lange her! Das muss doch nicht mehr thematisiert werden!“

Genau aus diesem Grund ist es unserer Meinung nach wichtig, das Gedenken an das Pogrom 1934 in Gunzenhausen in den öffentlichen Raum zu tragen, um genau solchen Tendenzen entgegen zu wirken.
Denn für uns ist klar:

Kein Vergeben!
Kein Vergessen!

Kein Vergeben! Kein Vergessen! In Gedenken an das Pogrom 1934 in Gunzenhausen

Das Pogrom 1934 in Gunzenhausen
Schon lange vor der Machtergreifung der Nazis war Gunzenhausen, wie weite Teile Mittelfrankens, politisch tief braun geprägt. Antisemitische Ressentiments waren in der Gesellschaft weit verbreitet, sodass die menschenverachtende Hetzpropaganda auf offene Ohren und willige Vollstrecker traf. Bei der ersten Veranstaltung der NSDAP 1923 in Gunzenhausen waren etwa 1000 Menschen anwesend, was damals ein fünftel der Stadtbevölkerung darstellte. Bereits 1928, fünf Jahre vor der Machtergreifung, setzte der antisemitische Terror mit der Zerschlagung der Synagogenfenster ein. Die folgenden Jahre waren von antisemitischer Hetzpropaganda und Übergriffen auf Jüd_innen geprägt.

Am 25. März 1934 beteiligten sich etwa 1000 Menschen, unter Führung von SA-Einheiten, an einem Pogrom an der jüdischen Stadtbevölkerung. Jüd_innen wurden gewaltsam von dem durch die Straßen ziehenden antisemitischen Pöbel aus ihren Häusern gezogen und unter Schlägen und Tritten ins Gefängnis gebracht. Im Zuge dieser Geschehnisse kamen Jakob Rosenfelder und Max Rosenau ums Leben. Erst am späten Abend fand das widerliche Treiben sein Ende.

Am 15. Juli 1934 erschoss Kurt Bär aus antisemitischen Beweggründen und mit Unterstützung seiner Mitstreiter Josef Kaiser und Hans Hermann Simon Strauß und verletzte dessen Sohn Julius Strauß schwer. Simon Strauß hatte, auf Grund des Pogroms Ende März 1934, einen Strafantrag gegen Kurt Bär gestellt. Die juristische Aufarbeitung des Pogroms und der anderen Naziverbrechen hatte sowohl während des Nationalsozialismus als auch nach dessen militärischer Zerschlagung für Täter_innen nur geringfügige Folgen. Wegen den Schüssen auf Simon und Julius Strauß wurden Josef Kaiser zu 4 Jahren und Kurt Bär zu lebenslanger Haft verurteilt. Hans Hermann wurde freigesprochen. Beide wurden ein paar Jahre später wieder begnadigt und auch nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde gegen noch lebende Täter_innen kaum vorgegangen.

Nazistrukturen heute
Auch heute gibt es in Gunzenhausen und im umliegenden Landkreis noch Neonazi Strukturen. Neben einzelnen NPD Aktivist_innen existieren freie Kameradschaftsstrukturen, wie die Freien Nationalisten Weißenburg, die den aktivsten Teil der Naziszene im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen darstellen. Neonazis gehen im Landkreis offensiv gegen Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen und politische Gegner_innen vor. So wie am 28. November 2011, als eine Gruppe Neonazis einige Menschen auf dem Hof des Weißenburger Juz, die dort nach einer antifaschistischen Kundgebung verblieben waren mit Böllern angriff und dabei mehrere von ihnen verletzten. Die sogenannten Freien Nationalisten Weißenburg gehören dem Kameradschaftsdachverband Freies Netz Süd an, welcher sich durch die Mitorganisation des sogenannten Frankentages, der von 2008 bis 2012 statt fand, auf eine Veranstaltung mit selbigem Namen während des Nationalsozialismus, die damals auf dem Hesselberg abgehalten wurde, bezog.
Ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr sich Neonazis am Nationalsozialismus orientieren ist das sogenannte „Nationale Totengedenken“, welches von den Freien Nationalisten Weißenburg schon mehrfach in Dornhausen am Grab von Hans Ulrich Rudel durchgeführt wurde.
Hans Ulrich Rudel war ein Luftwaffenoffizier, der auch nach dem Ende des dritten Reichs weiter in nationalsozialistischen Zusammenhängen engagiert war. Er wird von den Neonazis als Held stilisiert.

Stadtbild im Landkreis
Leider tragen auch im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Straßen und Plätze immer noch Namen von Menschen, die sich im Nationalsozialismus „verdient“ gemacht haben oder als Steigbügel für die Nazis fungierten. So z.B. die „Rudolf-Nebel-Straße“ in Weißenburg oder auch der „Hindenburgplatz“ in Gunzenhausen. Ob nun ein Raketenwissenschaftler, der mit den Nazis an einer „Wunderwaffe“ arbeitete oder jemand, der seinen Anteil an der Machtergreifung der Nazis geleistet hat, wir sind der Meinung, dass das keine positiven Bezugspunkte sind, die eine als Ehre verstandene Geste wie Namensgeber_in eines öffentlichen Ortes zu sein verdient hätten.
Eine Umbenennung ist schon seit Jahrzehnten überfällig, genauso wie die Auflösung des Grabes von Hans Ulrich Rudel, um den Held_innenkult um Altnazis einzudämmen. Von einer umfassenden Aufarbeitung der Geschichte ganz zu Schweigen.

„Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass ich weder glaube, sie begründen zu müssen, noch zu sollen. Ich kann nicht verstehen, dass man mit ihr bis heute so wenig sich abgegeben hat. Sie zu begründen hätte etwas Ungeheuerliches angesichts des Ungeheuerlichen, das sich zutrug.“ (Theodor W. Adorno)

KEIN VERGEBEN KEIN VERGESSEN!
NIE WIEDER DEUTSCHLAND!

Kommt zur Kundgebung am 22.3.2014 ab 10:30 vor der Sparkasse auf dem Marktplatz in Gunzenhausen.

Nachbericht zur Kundgebung am 7.3.14

Am 7.3.14 fand am Weißenburger Marktplatz eine Kundgebung anlässlich des Internationalen Frauenkampftages am 8.3.14 unter dem Motto „Dem sexistischen Alltag entgegentreten“ statt.
Die Veranstaltung startete kurz nach 16 Uhr. Während der Kundgebung, sowie in den Tagen zuvor wurden um die 400 Flyer verteilt.
Nachdem sich ca. 25 Personen versammelt hatten, begannen die Redebeiträge. In ihnen wurden u.a. patriarchale Strukturen in Beruf und Privatleben thematisiert. Frauen verdienen noch immer weniger als Männer für die selbe Arbeit, sind wesentlich häufiger prekär beschäftigt und verrichten den größten Teil der unbezahlten Arbeit zu Hause. Des weiteren wurde deutlich gemacht, dass feministische Kämpfe und Bewegungen auch in der heutigen Zeit immer noch notwendig sind, um die Rollenbilder, Schönheitsideale etc. zu überwinden, um die sexuelle Selbstbestimmung zu erreichen.
Leider kam es am Rande der Kundgebung auch zu Störungen von Neonazis. Schon vor der Veranstaltung schrieb Martin B. in der Facebook Veranstaltung diffamierende und beleidigende Kommentare, die jedoch umgehend entfernt wurden. Bereits am Anfang der Kundgebung tauchten die beiden stadtbekannten Neonazis, Danny B. und Martin B. auf dem Marktplatz auf. Während den Reden störten sie durch Zwischenrufe und unangebrachten Kommentaren. Anwesende Personen wurden abfotografiert und verbal angegangen. Die Polizei folgte der Bitte der Veranstalter_Innen, die beiden von der Kundgebung zu verweisen, nicht. Sie beobachtete ausschließlich das Geschehen und warteten scheinbar bis es zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommen würde.
Am frühen Abend dieses Tages erwarteten Weißenburger Polizisten abreisende Kundgebungsteilnehmer_innen am Bahnhof, um diese zu kontrollieren. Während die Neonazis, die massiv Menschen während der Kundgebung bedrängt haben, unbehelligt blieben.

Trotz der Störungen durch die Nazis und das ausbleibende Eingreifen der Polizei, war es für uns ein schöner und erfolgreicher Tag. Wir hoffen auf ein weiters kämpferisches Jahr, in dem die Inhalte des Frauenkampftages praktisch und täglich die bestehenden Verhältnisse kritisiert werden.

Love Unicorns!

Hate Sexism!

Nazischeiße-WTF

Das Weißenburg ein Naziproblem hat ist nichts Neues. In den letzten Jahren machten Übergriffe von Neo-Nazis Schlagzeilen. Die aktuelle Zeitungsüberschrift „Realschuldirektorin feuerte Schüler mit Naziparolen an“ (Weißenburger Tagblatt 4. März 2014) ist dann doch etwas ungewöhnlich.
Am Freitag vor den Faschingsferien feuerte Stephanie Bauer, Rektorin der Weißenburger Realschule, bei einem Schülerwettbewerb die Teilnehmer_innen mit den Worten „Sieg Heil“ an. In der andauerten Debatte wird von einigen versucht dieses Ereignis als Missgeschick herunterzuspielen, ganz vorn dabei in mancher Kommentarspalte sind bekannte Nazis. Landrat Wägemann (CSU) sagte dazu „So etwas geht partout nicht, vor allem nicht vor Schülern“ (Weißenburger Tagblatt 4. März 2014). Wir sind der Meinung scheiß Egal ob das „Sieg Heil“ der Rektorin mal so „rausgerutscht“ ist und scheiß Egal ob vor Kindern oder mal so beim Grüßen auf der Straße: Es geht nicht darum, wo oder zu wem, sie solche Äußerungen tätigt, es geht darum, dass sie es tut und das darf einfach nicht so stehen bleiben! Aus diesem Grund stellt sich uns die Frage, ob – selbst in den Maßstäben der Vorgesetzten von Frau Bauer gedacht – ein solches Verhalten tragbar ist.
Wir finden das auf keinen Fall akzeptabel und erwarten Konsequenzen! Für uns ist klar: Egal wer und egal wo! Nazischeiße darf keinen Platz in der Gesellschaft haben! Weder in Weißenburg noch anderswo!

Für einen konsequenten Antifaschismus!